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Panikstörung/Agoraphobie

 

 

Agoraphobie: Eine relativ gut definierte Gruppe von Phobien, mit Befürchtungen, das Haus zu verlassen, Geschäfte zu betreten, in Menschenmengen und auf öffentlichen Plätzen zu sein, alleine mit Bahn, Bus oder Flugzeug zu reisen. Eine Panikstörung kommt als häufiges Merkmal bei gegenwärtigen oder zurückliegenden Episoden vor. Depressive und zwanghafte Symptome sowie soziale Phobien sind als zusätzliche Merkmale gleichfalls häufig vorhanden. Die Vermeidung der phobischen Situation steht oft im Vordergrund, und einige Agoraphobiker erleben nur wenig Angst, da sie die phobischen Situationen meiden können.

 

Panikstörung [episodisch paroxysmale Angst] Das wesentliche Kennzeichen sind wiederkehrende schwere Angstattacken (Panik), die sich nicht auf eine spezifische Situation oder besondere Umstände beschränken und deshalb auch nicht vorhersehbar sind. Wie bei anderen Angsterkrankungen zählen zu den wesentlichen Symptomen plötzlich auftretendes Herzklopfen, Brustschmerz, Erstickungsgefühle, Schwindel und Entfremdungsgefühle (Depersonalisation oder Derealisation). Oft entsteht sekundär auch die Furcht zu sterben, vor Kontrollverlust oder die Angst, wahnsinnig zu werden. Die Panikstörung soll nicht als Hauptdiagnose verwendet werden, wenn der Betroffene bei Beginn der Panikattacken an einer depressiven Störung leidet. Unter diesen Umständen sind die Panikattacken wahrscheinlich sekundäre Folge der Depression.

 

 

Links

 

Panikstörung (Dr. Morschitzky)

 

Agoraphobie (Dr. Morschitzky)

 

 

 

Was ist eine Panikattacke?

 

Eine Panikattacke ist eine klar abgrenzbare Episode intensiver Angst und Unbehagens, bei der mindestens 4 der nachfolgend genannten Symptome abrupt auftreten und innerhalb von 10 Minuten einen Höhepunkt erreichen:

  1. Palpitationen, Herzklopfen oder beschleunigter Herzschlag

  2. Schwitzen 

  3. Zittern oder Beben 

  4. Gefühl der Kurzatmigkeit oder Atemnot 

  5. Erstickungsgefühle 

  6. Schmerzen oder Beklemmungsgefühle in der Brust 

  7. Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden 

  8. Schwindel, Unsicherheit, Benommenheit oder der Ohnmacht nahe sein 

  9. Derealisation  (Gefühl der Unwirklichkeit)  oder Depersonalisation  (sich losgelöst fühlen) 

  10. Angst, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden 

  11. Angst zu sterben 

  12. Parästhesien  (Taubheit oder Kribbelgefühle) 

  13. Hitzewallungen oder Kälteschauer 

Panikattacken können unerwartet aber auch in bestimmten Situationen auftreten. Bei Menschen mit einer Agoraphobie treten Panikattacken häufig in folgenden Situationen auf:

  • Autofahren als Fahrer

  • Autofahren als Beifahrer

  • Geschäfte/Supermärkte

  • Kaufhäuser/Einkaufszentren

  • Menschenmengen

  • Fliegen

  • S-Bahn, U-Bahn, Zug, Bus, andere öffentliche Verkehrsmittel, Schiffe

  • Schlange stehen

  • Zu Fuß gehen

  • Fahrstühle

  • Brücken

  • Rolltreppen

  • (Alleine) zu Hause sein

  • Weit weg von zu Hause sein

  • Kino, Theater

  • Fußballstation, Musikfestival, Messehalle

  • Restaurants, Cafes, Kneipen, Bars, Diskos, Partys, Feste, Volksfeste

  • Kirchen, Gottesdienste, Museen

  • Geschlossene Räume, Tunnels

  • Große, offene Plätze, Parks, Parkplätze

  • Arbeitsplatz

Typische Befürchtungen bei Menschen mit Panikattacken, Panikstörung, Agoraphobie und anderen Ängsten sind:

  • Ich übergebe mich

  • Ich falle in Ohnmacht

  • Ich habe einen Hirntumor

  • Ich bekomme einen Herzanfall

  • Ich ersticke

  • Ich benehme mich lächerlich

  • Ich werde blind

  • Ich verliere die Kontrolle über mich

  • Ich werde jemanden etwas antun

  • Ich bekomme einen Schlaganfall

  • Ich werde verrückt

  • Ich werde schreien

  • Ich werde Unsinn reden oder stammeln

  • Ich werde vor Angst erstarren

  • Ich  bekomme einen Krampfanfall

  • Ich werde einen Unfall machen

Vermeidung und Sicherheitsverhaltensweisen

 

Menschen mit Angststörungen vermeiden häufig die angstauslösenden Situationen (beispielsweise keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, keine Kaufhäuser betreten) oder verlassen die Angstauslösenden Situationen (beispielsweise "Flucht" aus der U-Bahn, wenn man befürchtet, eine Panikattacke zu bekommen).

 

Häufig setzen sie so genannte Sicherheitsverhaltensweisen ein, mit dem Ziel, eine Panikattacke oder eine befürchtete Katastrophe (z.B. ich ersticke, ich werde ohnmächtig) abzuwenden.

  • Ich habe mein Handy dabei

  • Ich habe Notfallgeld (z.B. für das Taxi) dabei

  • Ich nehme Medikamente oder habe sie dabei

  • Ich habe eine Wasserflasche dabei

  • Ich habe Bonbons dabei (wegen Mundtrockenheit!)

  • Ich setzte mich hin, ich lege mich hin, ich lehne mich an (wegen Schwindel)

  • Ich mache die Unternehmung nur in Begleitung

  • Ich vermeide körperliche Anstrengung

  • Ich rufe den (Not-)Arzt

  • Ich versuche, meine Gedanken zu Kontrollieren

  • Ich vermeide „Katastrophengedanken“

  • Ich setzte mich im Zug, in der Bahn, im Bus, im Kino oder im Theater in die Nähe des Ausgangs

  • Ich plane meine „Fluchtwege“, halte mich z.B. am Rand von Menschenmengen auf 

VORSICHT: Vermeidung und Sicherheitsverhaltensweisen halten die Angstsymptomatik aufrecht!!

 

 

Allen kognitiven Modellen zur Erklärung von Angststörungen liegt die gemeinsame Überlegung zu Grunde, dass die Störungen durch dysfunktionale Aufmerksamkeitsprozesse, dysfunktionale kognitive Interpretationen von internalen und externalen Reizen (Körperwahrnehmungen, Situationen) und Sicherheits- und Vermeidungsverhaltensweisen aufrechterhalten werden. Beispielsweise haben Menschen mit Panikstörung einen verstärkten Aufmerksamkeitsfokus auf körperliche Vorgänge, und sie zeigen katastrophisierende Interpretationen von somatischen Symptomen („ich werde einen Herzanfall bekommen, ich habe einen Tumor“). Die Angstproblematik ist im Sinne eines Teufelskreismodells zu verstehen: bei einer erniedrigten Schwelle für die Wahrnehmung von kognitiven oder körperlichen Veränderungen kommt es bei Konfrontation mit internen oder externen Stressoren durch katastrophisierende Interpretationen zu einem Aufschaukelungsprozess, der in einer Panikattacke resultieren kann. Aufrechterhalten wird die Problematik durch Sicherheits- und Vermeidungsverhaltensweisen.